Lüften oder Luftreiniger?


Was hilft gegen Coronaviren im Klassenzimmer? Lüften oder Luftreiniger?
Das Bundesamt für Umweltschutz rät eindeutig zum Lüften als erste Maßnahme:

„Eine verlässliche Reduzierung der SARS-CoV-2-Viren ausschließlich durch mobile Luftreinigungsgeräte in Unterrichtsräumen ist basierend auf dem derzeitigen Kenntnisstand nicht eindeutig nachgewiesen. Das Umweltbundesamt empfiehlt daher weiter auch in der kalten Jahreszeit die Fensterlüftung als prioritäre Maßnahme.“

und

„Selbst einfache Filtergeräte erfordern eine fachgerechte Aufstellung und kontinuierliche Wartung.“

Was nützen Raumluftgeräte?

Raumluftreinigungsgeräte nützen – vor allem dem Hersteller.

Professionelle Raumluftreinigungsgeräte kommen in den Operationssälen dieser Nation zum Einsatz. Man bekommt damit tatsächlich annähernd keimfreie Luft hin, in einem einzigen Raum. Dafür sind sie sehr teuer.

Wenn man es stattdessen nur halb oder viertelprofessionell macht, vermitteln die Geräte nur ein falsches Gefühl von Sicherheit. Sie sind dann ihr Geld nicht wert. Im Falle von Schulen ist das unser aller Steuergeld.

Es ist ausgesprochen schwierig, diese Lüftungsanlagen in ganz normalen Schul- oder Bürozimmern nachzuempfinden. Um solche Lüftungsgeräte dahin zu bringen, dass sie tatsächlich Sicherheit produzieren, muss man den Standort sehr sorgfältig wählen und die Luftverwirbelung im Raum betrachten. Das erfordert sehr professionelles Wissen, was in den seltensten Fällen vorhanden sein dürfte.

Hinzu kommt, dass Lüftungsgeräte kein C02 aus der Raumluft entfernen und keinen Sauerstoff hinzuführen. Darunter leidet dann die Konzentrationsfähigkeit der Schüler.

Raumluftreinigungsgeräte sind nur bei innen liegenden Räumen ohne Fenster sinnvoll. Im Vergleich zum Fenster können sie nur zweite Wahl sein. Richtig ist stattdessen die Kombination aus Mund-Nasen-Bedeckung im Unterricht und dem Lüften.

Lüften praktisch

Zum Lüften braucht man nur einfache Hilfsmittel wie

  • eine altmodische Eieruhr oder
  • einen Handywecker und
  • jemanden, der bereit ist, alle 20 Minuten bei sehr vollen Räumen auch häufiger, zum Fenster zu gehen, dieses weit zu öffnen, 5 Minuten aufzulassen und es wieder zu schließen.

Die Türen zum Flur sollten nur geöffnet werden, wenn gleichzeitig auch das gegenüberliegende Klassenzimmer gelüftet wird. Wo möglich, sollte dieses Querlüften aber stattfinden.

Querlüften ist dem Kipplüften vorzuziehen.

Von dauerhaft kippgelüfteten Fenstern ist abzuraten, denn sie kühlen den Raum im Winter unnötig aus. Kipplüftung produziert eine Illusion von Lüftung, die tatsächlich so nicht oder nicht ausreichend stattfindet.

Eine einfache Merkhilfe:

Haben Sie schon einmal gesehen, dass eine Fliege bei einem kippgelüfteten Fenster wieder herausfindet?

CO2-Sensoren

CO2-Ampeln können eine sinnvolle Anschaffung für Klassenräume sein. Man muss betonen: sie zeigen keine Viren an. Sie zeigen nur an, wie schnell sich die Luft im Raum verbraucht. Ihr Haupteffekt besteht daran, dass sie optisch ans Lüften erinnern. Auch hier gilt: die Alternative dazu ist eine gewöhnliche Eieruhr oder ein Handywecker.

CO2-Sensoren haben aber den Vorteil, dass sie messbar machen, was man sonst nur mit der Uhr wahrnimmt, nämlich wie die Luft immer dicker wird. Der CO2-Gehalt der Luft sollte 1000 ppm (das zweieinhalbfache der Außenluft) an Arbeitsplätzen ohnehin nicht überschreiten. In Klassenräumen wird diese Grenze aber oft gerissen. (Messbeispiele in einem Artikel des Umweltbundesamts)
Einfache CO2-Sensoren sind übrigens schon für rund 40 Euro erhältlich.

Und wenn es draußen zu kalt wird?

Ja, wenn es draußen zu kalt wird, kann es sein, dass es mit dem regelmäßigen Lüften schwierig wird. Man sollte in dieser Zeit beherzt darüber nachdenken, einen Teil des Schulunterrichts ins Homeoffice zu verlegen. Immerhin soll die Schule auf die Berufswelt vorbereiten, und dort gilt das auch.

Bildquelle: Image by Republica from Pixabay

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